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Solarprojekt in der Praxisstation Garten- und Landschaftsbau
an der Montessori-Hauptschule Rochusstraße

Am Anfang stand der Traum eines Lehrers: In seinen Hauswirtschaftsunterricht versucht er die Schüler/innen an vollwertige Ernährung und den sorgsamen Umgang mit Lebensmitteln heranzuführen. 

Der Traum: Wie wäre es doch schön, beim Kochen frische Zutaten ernten zu können.

Mit etwas Nachdenken stand der Verwirklichung gar nicht so viel im Wege. Der recht vernachlässigte Schulgarten lag vor der Küchentüre. An der Schule gab es bereits eine Praxisstation Garten- und Landschaftsbau. Fehlten nur die Gelder und eine Idee für die Bewässerung.

Wasser aufzufangen, in großen Tonnen zu sammeln und mittels eine Solarpumpe an heißen Tagen auf das Frühbeet aufzubringen war der Plan. Diesen fand die Hertie-Stiftung durchaus förderungswürdig. So stehen dem Projekt nun 1.500 Euro zur Verfügung.

Schon bald war das Gelände  gerodet, das Material eingekauft und erwartungsvoll trafen sich Jugendliche und Betreuer zur Installation der Anlage.

Nachdem das Material aus den Tiefen des Schulkellers herbeigeschleppt worden war, wurde das Gelände vermessen und die Stellen markiert, an denen die Einschlaghülsen für die Vierkantpfosten eingeschlagen werden sollten.

Die erste Hülse ließ sich problemlos einschlagen, doch bereits an der zweiten Stelle stieß die Gruppe auf Beton. Nun war guter Rat teuer und die Jugendlichen wollten schnell aufgeben. Doch nachdem die Betreuer erklärt hatten, dass auch das Bewältigen unvorhergesehener Probleme ein wesentlicher Teil eines Projektes sein kann, wurde mit erstaunlichem Einsatz und von Jungs und Mädchen im Wechsel die Spitzhacke geschwungen.

Keiner glaubte mehr so richtig daran, doch irgendwann war das Loch tief genug. Nur leider reichten Zeit und Kraft nicht aus, die Plane zu montieren und für die Regentonne einen sicheren Standort zu finden. Für einen neuen Termin wollen die Jugendlichen ihre Freizeit außerhalb der Praxisstation opfern.
Erst wenn die Regentonne voll Wasser gelaufen ist, kann in einem dritten Termin die Solarpumpe installiert werden, hoffentlich noch vor den Sommerferien. Trockenheitsresistente Kräuter wie Rosmarin und Salbei konnten schon eingepflanzt werden und zum Abschluß gab es für alle ein dringend nötiges Mittagessen.

 

Warten auf den großen Regen

Der Ehrgeiz trieb die Schülerinnen und Schüler an, sollte doch noch vor den Sommerferien das Wasser aus der Regentonne in die Beete fließen. So traf man sich in der Freizeit der Kids, weil an den regulären Terminen die Arbeit auf dem Westfriedhof anstand.

Es war so richtig heiß. Eigentlich hatte die Gruppe gedacht, das Aufhängen der Plane wäre recht unkompliziert.

Die Plane mußte an Pfosten und Zaun befestigt werden. Zur rechten oberen Ecke sollte ein ordentliches Gefälle verlaufen, damit auch die gesamte Regenmenge, die auf die Plane fällt, aufgesammelt wird.
An der tiefsten Stelle der Plane wurde eine Kette befestigt, die das Wasser in die Tonne leitet: Vorteil dabei, dass kein Wasser durch Spritzen o.ä. verloren geht. Sämtliche Schrauben mußten mit der Hand eingedreht werden; bei großer Hitze eine schweißtreibende Tätigkeit.


Doch am Ende hing die Plane und konnte sogar als Schattenspender bei der Schlußbesprechung dienen.

Nun begann das Warten auf Regen. Ausgerechnet in den letzten Wochen vor den Sommerferien fiel kein Tropfen, abgesehen von gelegentlichen Gewittern. Es wurde telefoniert und gemailt, aber kein einziges Gewitter fand den Weg nach Ehrenfeld in die Rochusstrasse. So mußte die Installation der Solarpumpe auf den September verschoben werden, schade.

 

Der Schock zum Schulbeginn

Wieviel Wasser nach den Ferien in der Tonne sein würde, das war die große Frage. Es hatte ja reichlich geregnet in der letzten Zeit. "Die läuft bestimmt schon über" war die einhellige Meinung.
Doch groß war der Schock bei der Besichtigung des Schulgartens und der "Baustelle".

Ein Bild der Verwüstung empfing die Gruppe. Es sah aus, als sei eine Windhose über das Gelände gefegt. Nur ein einziger Pfosten war stehen geblieben, die Tonne nur halbvoll mit inzwischen schon grünem Wasser, in dem sich die Mückenlarven tummelten.
Einziger Trost, dass die trockenheitsresistenten Kräuter zum größten Teil überlebt hatten und die umgesetzten Oregeno- und Zitronenmelisse-Pflanzen richtig gut aussahen.

Bei genauerem Hinschauen zeigte sich, dass die Holzbalken unversehrt geblieben waren, dafür aber die Einschlaghülsen, als seien sie aus Pappe, richtig abgedreht waren. Vielleicht ein Materialfehler?
Jedenfalls ist der finanzielle Schaden (drei Einschlaghülsen) zu verkraften; eine zweite Plane ist vorhanden, die waren gleich im Doppelpack verkauft worden. Nur die harte Arbeit, die bisher im Projekt steckt, ist nicht zu ersetzen. Die Devise unter den Jugendlichen: "Wir geben nicht auf, auch wenn das Wasser vielleicht erst im nächsten Frühjahr fließen wird!"

Nach den Verwüstungen durch den Sturm waren neue Einschlaghülsen angeschafft worden. Diese sollten, um nicht wieder schlechte Erfahrungen zu machen, einbetoniert werden. Unterstützung erhielt die Gruppe durch die Praxisstation Objektbeschichtung (Maler und Lackierer), die mit anfassen wollten.

Das Einbetronieren der Hülsen war Aufgabe der Praxisstationen Garten- und Landschaftsbau. Um sie vor Verwitterung zu schützen, sollten die Maler (aus der Praxisstation Objektbeschichtung) die Pfosten mit Holzschutz streichen.
Doch als erstes galt es, gemeinsam die inzwischen wild gewucherten Brombeeren zu roden. Diese Stacheln durchstießen jeden Handschuh!

Auch das Graben der Löcher für die Posten war nicht einfach. Wurzeln und Steine erschwerten die Arbeit. Mehrfach wurde abgemessen, ob man tief genug gekommen war. Endlich war der erste Pfosten ausgerichtet.

40 kg wiegt ein Sack Fertigbeton. Diesen mit Wasser in einer Tonne in der richtigen Konsistenz anzurühren, war echte Knochenarbeit, bei der sich Schülerinnen und Schüler abwechseln mußten. Endlich kam beim Rühren kein trockenes Pulver mehr zum Vorschein und dünnflüssig war die Masse auch nicht mehr.

Das Loch wird ausgegossen und der Beton mit dem Schuffeleisen geglättet. Das sollte doch nun wirklich stabil genug sein.

Während sich die Garten- und Landschaftsbauer und -bauerinnen den nächsten Pfosten widmeten - Graben, Beton anrühren, anfüllen - begann die Malergruppe mit dem Streichen der Holzpfosten. Genau kontrollierten die Jugendlichen, ob die Farbe auch die entsprechenden Umweltschutzbedingungen erfüllt. Ein "blauer Engel" sorgte für zufriedene Gesichter.

Das ging ja gar nicht! Weil der Untergrund das Aufstellen einer Leiter nicht gestattete - zu uneben und daher zu gefährlich - waren besonders die Mädels sehr erfindungsreich, als es darum ging die Pfosten auch ganz oben zu streichen.
Arbeitssicherheit ist aber ein wichtiger Lerninhalt in den Praxisstationen. So wurde die Kletterei unterbunden (Bilder links und Mitte) und nach neuen Lösungen gesucht.
Schließlich erfüllten die Schultern des betreuenden Lehrers am ehesten die Sicherheitsvorschriften und die Pfosten konnten unfallfrei gestrichen werden.

Gemeinsam beschlossen Gärtner- und Malergruppe, mit dem Spannen der Plane bis zum Frühjahr zu warten. Im Winter braucht der Schulgarten kein Wasser, aber die Herbststürme könnten wieder Schäden anrichten.
So werden sich beide Gruppen im Frühjahr erneut treffen, um gemeinsam dafür zu sorgen, dass das Wasser gesammelt und entsprechend verteilt werden kann.
Sicher wird der Fachbereich Hauswirtschaft bald von regionalen, saisongemäßen Kräutern aus eigenem Anbau profitieren können.



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