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PraxisParcour an der Heinrich-Böll-Gesamtschule in Köln-Chorweiler

Im Pädagogischen Zentrum der Heinrich-Böll-Gesamtschule sollte der PraxisParcour durchgeführt werden. Gar nicht so leicht, sich in dem weitläufigen Gebäude zurechtzufinden, in dem mehr als 1.600 Schülerinnen und Schüler gemeinsam lernen. An zwei Tagen, dem 7. und 8. Oktober 2010, sollten im Pädagogischen Zentrum fast 240 Jugendliche aus den acht 9. Klassen im PraxisParcour ihre Fähigkeiten testen und erproben.

Die Wegbeschreibung lautete: "Immer gerade aus, durch zwei Glastüren hindurch und dann dem Lärm nach und sich links halten. Da sind in dem Raum derzeit über 100 Kids zusammengepfercht, die machen sicher einen Höllenlärm."

 

Großes Erstaunen beim Eintritt in die Aula, hier an der Gesamtschule Chorweiler Pädagogisches Zentrum genannt: Ein Gewimmel wie auf einem Ameisenhaufen, verteilt auf zahlreiche große Tische, an denen bis zu zehn Jugendliche konzentriert an den unterschiedlichsten Dingen arbeiten. Von Lärm und Chaos keine Spur.

Um eine derart große Gruppe durch die 26 verschiedenen Stationen des PraxisParcours zu begleiten, waren Schülerinnen und Schüler der Klasse 10 "akquiriert" worden, um die einzelnen Übungen zu moderieren und zu betreuen. Sie waren im Vorfeld geschult und auf ihre Aufgaben vorbereitet worden. Dreieinhalb Stunden hatten die Neuntklässler Zeit, um die 26 Übungen zu durchlaufen. Einsatzbereitschaft, Engagement und Konzentration wurden von den betreuenden Jugendlichen aus Klasse 10 bewertet. Die Einschätzung der Leistung in den einzelnen Aufgaben erstellten Betreuer und Kandidaten gemeinsam.

Was wird von den Jugendlichen gefordert, wie sehen die einzelnen Aufgaben aus? Natürlich ist es nicht möglich, alle Übungen ausführlich vorzustellen, aber im folgenden soll eine Auswahl zeigen, was die Schülerinnen und Schüler in dreieinhalb Stunden zu leisten hatten (spezielle Erläuterungen zu den Bildern in Kursivschrift).

 

Von der Büroklammer zum Kreisel:
Höchste Anforderung an die Feinmotorik: Der fertige Kreisel muß sich drehen!

 

Räumliches Vorstellungsvermögen erfordert die "Kartoffelübung", auch "Zauberkugel" genannt. Die Kartoffeln mußten vorher geschält werden - wobei auch die Jungs aus den Neuner Klassen sehr gut abschnitten - zur weiteren Verwertung zu Suppe, Pürée oder Reibekuchen.

Die Übungen des PraxisParcour sind eine Mischung zwischen direkt auf einzelne Berufe bezogenen Aufgaben (z.B. Installation und Elektrik)  und allgmeinen Anforderungen, wie räumliche Wahrnehmung (siehe Kartoffelübung) und feinmotorisches Geschick (in der Kreiselübung).

 

Direkte berufliche Zuordnung beim Umgang mit Kupferrohren (Installation oben links) und beim Abisolieren und Verbinden von Elektokabeln mittels Lüsterklemmen (Elektrik oben rechts).

Gefördert wird der PraxisParcour durch die Rheinenergie-Stiftung Jungend-Beruf-Wissenschaft und die Agentur für Arbeit Köln. Frau Gehrmann und Frau Leidner als Verantwortliche bei der Stiftung haben die Veranstaltung besucht und konnten sich sowohl die einzelnen Übungen anschauen, als auch mit dem Jugendlichen aus der Stufe 10 über deren Erfahrungen als Moderatoren sprechen. Auf dem mittleren Foto unterhalten sie sich mit einer Schülerin aus Klasse 10, die die Übrung "Tisch eindecken" aus der Gastronomie (siehe auch unten rechts) betreute.
Schulleiter Rüdiger Schmidt zeigte sich sichtlich erfreut über die Disziplin und Begeisterungsfähigkeit seiner Schülerinnen und Schüler.

 

Kontrastprogramm bei den Übungen des PraxisParcours: Schon berühmt ist die Menschenkette und die Beförderung der Dachpfannen durch gegenseitiges Zuwerfen im Dachdecker-Gewerk. Hier diente aus Sicherheitsgründen ein aus Recyling-Matten zusammengeklebtes Modell als Dachpfanne. Die Übung erfordert hohe Konzentration und körperlichen Einsatz, besonders, wenn sie mehrfach wiederholt werden muß, damit eine "fliegende" Dachpfanne aufs Foto kommt.

Ganz im Gegenteil schon fast meditativ ist die Ausmalübung mit Pinsel, die im Maler- und Lackiererhandwerk schon zur "hohen Kunst" gehört.

 

Links im Bild die Spiegelübung sieht einfach aus, hat es aber in sich. Ein nur im Spiegel sichtbares Labyrint muß nachgezeichnet werden. Hier ist Intuition gefragt.
Höchste Anforderungen an die blitzschnelle Merkfähigkeit stellt die Polizei-Übung: Nur wenige Sekunden wird ein Nummernschild gezeigt, dann müssen die Kandidaten die Zeichen- und Ziffernfolge notieren, wenn möglich korrekt!

Gegen Ende der Veranstaltung stellte sich heraus, dass die "Buchhalter-Übung" - Sortieren von unterschiedlichsten Belegen in eine chonologische Reihenfolge - zu den unbeliebtesten gehörte. Obwohl der unfreundliche Begriff "Belege sortieren" gar nicht verwendet wurde, sondern die Übung den Jugendlichen als "junger Unternehmer möchte Geld vom Finanzamt zurück" in einen sinnvollen Zusammenhang gesetzt wurde. Trotzdem herrschte bei dieser Übung am Ende ein ziemliches Gedränge. Doch was so schwierig und langweilig wirkte, ließ sich schneller als erwartet erledigen (unten links).

Zum Schluß, als alle Jugendlichen aus der Klasse 9 fertig waren und in die wohlverdiente Pause eilten, gab es noch eine Abschlußbesprechung mit den Schülerinnen und Schülern aus Klasse 10. Was war gut, was war nicht so gut, was könnte man besser machen (unten rechts)?

 

Die Betreuer und Betreuerinnen aus Klasse 10 waren im großen und ganzen zufrieden mit ihrem Einsatz und dem Verlauf des PraxisParcour. Traurig waren sie, dass es leider nicht möglich war, die Daten der 240 Teilnehmer in die schuleigene EDV einzugeben und an der Auswertung mitzuwirken. Aber daran waren nur die Schul-Computer schuld, die wie man weiß, ja auch nur Menschen sind.
Alle Zehnt-Klässler erhielten ein Zertifikat über ihre Qualifikation als Betreuer und Moderatoren bei der Durchführung des PraxisParcours.

Mehr zu PraxisParcour (hier)