12. Dezember 2011: Eröffnungsfeier an der Werkbank

Der erste Campus für Praxisstationen an der Nibelungenstraße (Außenstelle Hauptschule Reutlinger Straße) wird eröffnet

Mit über 40 Praxisstationen an Kölner Schulen hat sich das ConAction-Praxisstationen-Modell, unterstützt von der Agentur für Arbeit und dem Schulamt für die Stadt Köln, seit Jahren bewährt. Während bisher die Mitarbeiter von ConAction an jeder einzelnen Schule in zur Verfügung stehenden Werkräumen die "schuleigenen" Schülerinnen und Schüler in einzelnen Gewerken praktisch unterwiesen, schafft das Campus-Konzept für die Jugendlichen nützliche Synergie-Effekte.
Bisher entschieden Raumkapazität und finanzielle Mittel über die Möglichkeiten einer Schule, Praxisstationen und wenn ja, welche, anzubieten. Ein Campus jedoch öffnet sich mit den installierten Werkstätten über die eigene Schule hinaus auch für Schülerinnen und Schülern benachbarter Schulen, die dann dort von den ConAction-Mitarabeitern in den Praxisstationen betreut werden.

Die Schulleiterin Otti Kühn-Stegmann - überzeugt von der bisherigen guten Zusammenarbeit mit ConAction (hier zusammen mit Künstlern aus Bangladesh), war schnell von der Idee überzeugt und scheute keine Mühe, dem ersten Campus für Praxisstationen an ihrer Schule ein Zuhause zu bieten. Auch die Grundschule, mit der sich der Campus einen gemeinsamen Flur teilt, war kooperationsbereit.
So wurde "Campus" bereits in den Herbstferien praktiziert: Nicht Schülerinnen und Schüler der HS Reutlinger Straße, sondern der Montessori-Hauptschule Rochusstraße renovierten die Räume, in die die Werkstätten einziehen sollen (mehr zum Abenteuer "Raumrenovierung" hier).

Umzug gelungen: Die Räume - hier Metallverarabeitung und Objektbeschichtung (Maler und Lackierer) - sind eingerichtet und bieten für die Jugendlichen eine angenehme Arbeitsatmosphäre.
Holzverbindungen, Garten- und Landschaftsbau, Objektbeschichtung, Metallverarbeitung und Computer heißen die Praxisstationen, die an der Hauptschule Reutlinger Straße bisher angeboten werden. Auf dem Wunschzettel stand seit langem eine Praxisstation Elekto. Pünktlich zur Eröffnung des Campus unterstützten die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie die Ausstattung einer Elekto-Werkstatt mit 2.500 Euro. Hiermit können 8-10 Elektro-Arbeitsplätze für Schülerinnen und Schüler eingerichtet werden.

Eröffnungs- statt Weihnachtsfeier: Gerne verzichtete das Team von ConAction auf die eigene Weihnachtsfeier zugunsten der Campus-Eröffnung in der Nibelungenstraße. Der Tagungsraum war mit Engelfiguren, die in der multinationalen Klasse der Hauptschule Reutlinger Straße hergestellt worden waren, festlich geschmückt. Dr. Meinolf E. Sprengelmeier vom Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie Köln (AGV) kam als Weihnachtsmann mit zwei Schecks im Gepäck, Oberbürgermeister Jürgen Roters kam als Gratulant und um sein Interesse für das Projekt zu zeigen.

Dr. Sprengelmeier vom AGV engagiert sich bei "Unternehmen: Jugend - Migrationshintergrund als Chance!", einem Projekt der Stiftung der Deutschen Wirtschaft im Rahmen der Initiative JUGEND STÄRKEN des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, in dem auch ConAction mitarbeitet. So ging der zweite Scheck an diesem Tag an den Deutsch-Türkischen Verein in Köln-Chorweiler, in dem sich seit 40 Jahren türkische und deutsche Lehrer u.a. für eine sinnvolle Berufsorientierung für Jugendliche mit Migrationshintergrund einsetzen.

Besonders die Schulleiterin der Reutlinger Straße, Otti Kühn-Stegmann, freute sich sehr über die finanzielle Spende zugunsten der beruflichen Praxisorientierung für Schülerinnen und Schüler und den Respekt, mit dem ihrer Entscheidung, ihre Schule auch für Schülerinnen und Schüler benachbarter Schulen zu öffnen, begegnet wurde. Sie wies auf den besonders hohen Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund (70 - 80%) an der Hauptschule Reutlinger Straße hin.

Währenddessen tat sich in den frisch-renovierten Werkstätten eine Menge. Es war kein Zufall, dass zwei von drei Praxisstationen (Computer, Maler und Metall) Recycling zum Thema hatten, ist ConAction doch am DBU-Projekt zu "Regenerative Energietechnik und Energieeffizienz..." beteiligt (mehr hier).
Eine ganze Wand des Computerraums ist derzeit mit alten PCs dekoriert. Bisher ging es im Alltag der Praxisstation Computer (mehr hier) meist ums Reparieren und Inbetriebnehmen von "brauchbaren" PCs. Doch derzeit beschäftigen sich die Jugendlichen damit, wie man ausgediente Computer, sog. Flipperschrott, recyclen kann. Sortierte und demontierte Computer-Innenleben bringen noch einiges Geld. 6,50 Euro pro kg gibt es lt. Ankaufspreisliste für Computerplatinen vom 5.12.2011 für Mainboards und Steckkarten, wie Sound-, Modem- und Netzwerkkarten, von denen große Kühler und Metallblenden entfernt sein müssen. Allerdings, so stellten die Jugendlichen fest, wiegen Mainboards nicht besonders viel. So gab es für den gewichtsmäßig größten Anteil an einem PC - nämlich Schrott - nur 0,14 € pro Kilo. In unserem Beispiel enthielt der PC 8,491 kg Schrott, schwer, aber nicht wertvoll.

Dennoch, wenn auch einiges Schrauben und gelegentliche Gewaltanwendung nötig waren, brachte es ein solider PC, den die Jugendlichen demontierten, immerhin auf 9,54 Euro, vorausgesetzt, das Material wird exakt sortiert an der Sammelstelle abgeliefert. Da jeder Zuhause einen PC hat, fand die Demontage das große Interesse der angewesenden Prominenz.

Innerhalb der Praxisstationen zur Objektbeschichtung hat Recycling-Künstler Olaf Berger schon verschiedene Projekte mit Schülerinnen und Schülern durchgeführt (hier und hier). Auch heute hatte er eine Menge "Wohlstandsmüll" für die Jugendlichen mitgebracht. Aus denen sollte zum Thema "Menschen aus aller Welt" Kunst erschaffen werden, wobei der Kreativität keine Grenzen gesetzt waren. Erstaunlich war, wie versunken die Kids in ihre Tätigkeit waren. Dem konnte sich auch Oberbürgermeister Jürgen Roters nicht entziehen.

Letzte Station beim Rundgang war die Metallverarbeitung. Heute ging es um eine der Grundfertigkeiten, nämlich den Umgang mit der Feile. Kaum hatten sich die Besucher im Raum versammelt, als die neu installierte Elektrik im Raum ihren hohen Sicherheitsstandard unter Beweis stellte: Jemand hatte den Notschalter versehentlich berührt und schon lang der Raum bei trübem Winterwetter fast im Dunkeln (Bild rechts).

Doch dann gab es wieder Strom und damit Licht, und so durften sich auch die Gäste an der Metallbearbeitung per Feile versuchen.

Mit einer Stärkung für alle endete der informative und gelungene Vormittag im ersten Campus für Praxisstationen im Kölner Stadtgebiet. 

Wir hoffen, dass wir bald an dieser Stelle über die Aufnahme der Arbeiten in der Elektrowerkstatt berichten können, doch stehen davor noch einige Umbau- und Renovierungsarbeiten an, soweit wie es sicherheitstechnische Gründe erlauben, natürlich wieder von Schülerinnen und Schülern ausgeführt.

Mehr zum Alltag in unseren Praxisstationen gibt es (hier).

 

 

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