Wir besuchten die Praxisstation Garten- und Landschaftsbau an der Katholischen Hauptschule Großer Griechenmarkt. Direkt neben dem Agrippa-Bad gelegen, kann man sich kaum vorstellen, dass es hier einen Schulgarten geben soll. Doch die Lage und Perspektive sind beeindruckend. Der Wasserturm gegenüber - vor 130 Jahren als Industriebauwerk entstanden - beherbergt heute ein Luxushotel.

Wenn man durch den Zaum spingst, wird gleich die Neugierde angeregt. Man sieht große Bäume und darunter einen malerisch anmutenden Bauwagen. Wie wir später erfahren, ist der Bauwagen leider recht sanierungsbedürftig. Durch ein kleines, von Heckenrosen umrahmtes Tor eingelassen, befindet man sich in einem wirklichen Garten, mitten in der Stadt.

Mitte November, da ist natürlich die Wintervorbereitung angesagt. Die Schülerinnen und Schüler der Praxisstation Garten- und Landschaftsbau haben sich mit ihrer begleitenden Lehrerin und dem Landschaftsgärtner aus dem ConAction-Team in verschiedene Arbeitsgruppen eingeteilt. Gruppe eins befreit den Teich vom Herbstlaub. Etwas Laub, das im Wasser während des Winters verrottet, schadet nicht, aber der Teich ist zu Anfang halb voll mit Blättern. Diese mit einem Kescher herauszuangeln, ist richtig anstrengen. Als der Teich genügend gereinigt ist, erklärt der Gärtner den Jugendlichen den spiegelnden Film auf der Wasseroberfläche. Fast wie Ölschlieren sieht es aus, wenn man schräg auf die Wasseroberfläche schaut. Ein Ölfilm würde - mit einem Stöckchen durchstoßen - zusammenhängende Schlieren bilden und wäre für den Schulteich eine Katastrophe. Doch "unser" Film auf dem Schulteich zerteilt sich wie Eisschollen in viele kleine Teile. Wir lernen, dass es sich dabei um einen harmlosen Bakterienfilm (Kahmhaut) handelt.

Die zweite, größere Gruppe kehrt das Herbstlaub zusammen und schafft es per Schubkarre zur Kompostmiete. Dank der Größe des Geländes braucht man hier keine Kompostkisten, sondern kann Gartenabfälle, Grünschnitt und Herbstlaub auf großen Mieten aufschichten, in denen sie dann binnen eines Jahres verrotten und als wertvoller Dünger den Gartenboden verbessern. Die Schülerinnen und Schüler lernen, dass je nach Art der Blätter, die auf der Miete kompostiert werden, unterschiedliche Erden entstehen können. Kastanien- und Eichenlaub erzeugen einen sauren Boden, ähnlich wie Torf, die manche Pflanzen, beispielsweise Rododendren, dringend brauchen. Durch Zugabe von Holzasche oder Kalk erhält man basische Erde, die wiederum für andere Pflanzen, besonders Gemüsepflanzen wichtig ist.

Als den Kids bewußt wird, welche Laubberge es zu sammeln gilt, macht sich zunächst Unmut breit. Doch schon bald haben die Schülerinnen und Schüler ein System gefunden, das mit Schubkarre beladen, wegfahren und abkippen fast schon einen Wettkampf darstellt.

Da wird sich der Hausmeister freuen: Auch sämtliche Blätter vor dem Souterrain-Fenster werden den Hang hoch geschafft. Der Schulgarten verfügt tatsächlich über einige prächtige alte Bäume, die entsprechend viel Laub abwerfen. Doch sie sind wertvoll, denn in einer Innenstadt werden Bäume eine solche Größe nicht mehr erreichen können. Umso wichtiger, dass das Laub kompostiert und die Nährstoffe den Bäumen wieder zugeführt werden.

Herbst ist auch Pflanzzeit: Einige Staudenableger, die beim Rechen ausgegangen waren, werden liebevoll mit frischer Erde in die dafür vorgesehenen Pflanzkübel eingesetzt.

Nächste Sorge: Nachdem (fast) alle Blätter zusammengekehrt, transportiert und sehr kunstvoll auf die Miete aufgeschichtet wurden, sind Schülerinnen und Schüler geschockt über die Ausmaße, die die vorher winzige Miete jetzt angenommen hat. Doch der Gärtnermeister kann beruhigen: "Schon wenn ihr morgen wieder in die Schule kommt, hat sich die Größe durch den nächtlichen Tau schon beträchtlich reduziert. Wenn es dann regnet, kann man zuschauen, wie der Haufen einschrumpft und in der nächsten Saison würden wir uns freuen, wir hätten mehr Erde für unser Gemüsebeet"!

Spingsen erlaubt! Natürlich erregt der Schulgarten - schon durch die Nähe zum Agrippa-Bad - das Interesse der Passanten. So kam die Idee auf, durch entsprechende Beschreibungen für Interessenten jeweils eine kurze Beschreibung der Gartenaktivitäten zu erstellen. Kompostierung und somit naturgerechte Laubverarbeitung - nicht Laubentsorgung wie so häufig zu beobachten - wird auf der ersten Schautafel beschrieben sein. Beim nächsten Treffen wollen die Schülerinnen und Schüler ein Schild in Zaunnähe eingraben und die erste Erklärungstafel aufhängen.

Praxisstation heißt beruflichen Alltag erproben. So gehört es dazu, dass alle gemeinsam aufräumen und ihren Arbeitsplatz sauber hinterlassen, ganz so als wäre man bereits in der Ausbildung und in einer Gärtnerei oder im Freiland. Je besser die Teamarbeit funktioniert, umso eher ist die Arbeit erledigt.

Und noch ein ganz wichtiger Punkt darf nicht fehlen: In jeder Berufsausbildung ist ein Berichtsheft zu führen, in dem täglich kurz eingetragen wird, was mit welchen Werkzeugen gearbeitet wurde. Dazu ist es nötig, die wichtigsten Werkzeuge und die Werkstoffe mit ihren Fachbegriffen benennen und korrekt schreiben zu können. Nach dem Aufräumen gilt es am Ende jeder Sitzung die Einübung des Berichtsheftes zu üben, ohne das man zu keiner Berufsprüfung zugelassen wird. Dazu haben die Jugendlichen die Möglichkeit, in den Klassenraum zurückzukehren. Wenn die Zeit noch reicht, gibt es eine kurze theoretische Zusammenfassung der in der Praxisstation an diesem Tage gelernten Inhalte.

 

Im Rahmen des Projekts "Kompetenznetzwerk Schule als Garten" werden die Kölner Schulgärten durch Beratung, Workshops und Vorträge unterstützt und ein Netzwerk verschiedener Institutionen aufgebaut, um dauerhaft die Betreuung und deren Erhalt zu etablieren. Das  Projekt wird bis Februar 2015 durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW gefördert.

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