Kurt-Tucholsky-Hauptschule in Neubrück: In den hellen Souterain-Räumen findet praktische Berufsvorbereitung statt. Die Schülerinnen und Schüler ab Klasse 8 können hier im Nachmittagsbereich erste Erfahrungen im Karosserie- und Fahrzeugbau sammeln. Auch für Schulen aus dem direkten Umfeld hat die Tucholsky-Schule ihre Werstätten geöffnet.

Schon das Rohmaterial lässt den Laien die Stirn runzeln. Wie und mit welchem Werkzeug kann man dem unhandlichen und unsagbar harten Werkstoff Metall Formen oder gar Gegenstände abringen? Hierzu ist schon einiges an qualifizierter Betreuung von nöten. Die Jugendlichen sind vom Karosserie- und Fahrzeugbau jedoch fasziniert: Die Kurse sind immer bis auf den letzten Platz besetzt.

Jetzt können die Kids kommen. Die Handwerksmeister von ConAction e.V. haben die Materialien und Aufgaben vorbereitet, Werkzeug zurechtgelegt und Zeichnungen kopiert. Konzentriert lauschen die jungen Leute, als die Arbeitseinteilung und Aufgaben für den praktischen Nachmittag erklärt werden.

Im Karosseriebau werden aufwendige und gefährliche Werkzeuge und Maschinen eingesetzt. Unter der Bezeichnung "Blechschere" verbirgt sich eine stabile Schneidevorrichtung mit Hebelwirkung (oben links). Man mag sich gar nicht vorstellen, was dieses Gerät außer Metallblech alles zu schneiden vermag. Daher ist die Sicherheitsbelehrung und die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften in der Werkstatt ein unbedingtes Muss. Rechts zeigt ein ConAction-Mitarbeiter, wie man mit Hammer und Amboss NICHT arbeiten soll.

Die Rollenbank kann selbst starkes Metallblech in Form biegen. Der Test per Hand ergab keinerlei Wirkung, aber in nur drei Arbeitsschritten wird aus dem Metallblech ein Rohr geformt, das - sofern man ein größeres Blech nehmen würde - als Ofenrohr dienen könnte.

Auch eine Standbohrmaschine und ein Autogenschweißgerät, das mit Sauerstoff und Gas arbeitet, gehören zum anspruchsvollen Equipment der Werkstatt. Alle diese Werkzeuge und Maschinen und deren verantwortungsvolle Bedienung kennenzulernen, gehört zur Einarbeitung in der Karosseriewerkstatt.

Links die Blechschere im Einsatz. Da Weihnachten vor der Tür steht, haben die Jugendlichen in der Praxisstation Karosserie- und Fahrzeugbau die Möglichkeit, mit den erworbenen Fähigkeiten ein kleines Geschenk für die Eltern herzustellen. Der Halter aus Metallblech wird mit einem Reagenzglas und einer Blume zu einen attraktiven Werkstück, auf das die Jugendlichen stolz sein können. Für die Herstellung sind mindestens zwei Nachmittage angesetzt, denn auf Sorgfalt und genaue Ausführung wird hier großer Wert gelegt.

Ein weiteres als Weihnachtsgeschenk geeignetes Werkstück ist ein aus Metallblech gebogener stilisierter Tannenbaum. Es fällt nicht leicht, das Metall genau dort zu biegen, wo es die Form verlangt.

Trotzdem kommt bei den jungen Leuten kein Frust auf. Fehler sind dazu da, aus ihnen zu lernen und wenn es gar nicht klappen will, stehen die Betreuer mit Rat und Tat zur Seite.

Werkstück Nr. 3 - ein aus Metallblech gebogener Kranich - ist besonders anspruchsvoll, wie schon der Plan zeigt. Nach den Biegearbeiten werden die einzelnen Teile mit dem Elektropunktschweißgerät fixiert. Natürlich sind dabei besondere Sicherheitsvorschriften zu beachten, vor allem die Augen müssen vor dem grellen Licht des Schweißbrenners geschützt werden.

Beim Schweißen darf nichts verrutschen, denn einmal fixiert, läßt sich nichts mehr verändern. Daher braucht man mindestens vier Hände und zwei isolierte Zangen, um das Werkstück zu sichern. Gelungen: Der Kranich sieht genauso aus, wie auf der Zeichnung vorgegeben.

Die oben beschriebenen Werkstücke und deren Herstellung sind Vorübungen, um sich später an größere Karosserieteile heranzuwagen. In der Praxisstation werden fast schon historische Teile einer Traktorenkarosserie restauriert. Die alte Farbe wird abgebeizt. Dabei sind die Hände natürlich durch Handschuhe geschützt.

Erstaunlich, dass die zunächst wie Schrott anmutenden Teile nach der Bearbeitung durch die Jugendlichen blank und sauber aussehen. Eventuelle Risse und Löcher können jetzt mit dem Scheißgerät repariert werden. Diese Aufgaben aus dem Karosserie- und Fahrzeugbau sind schon sehr anspruchsvoll.

Während es - schon aus Gründen der Arbeitssicherheit - in der Werkstatt sehr konzentriert und diszipliniert zugeht, darf nach dem Aufräumen auch einmal Spaß gemacht werden, besonders zu erkennen beim abschließenden Gruppenfoto. Schön, dass Lernen manchmal wirklich Spaß machen kann!

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