ForumFamilie des Kölner Bündnisses für Familien am 13. Mai 2011 im Historischen Rathaus zu Köln: Draußen schien die Sonne und es wurde fleißig geheiratet, drinnen ging es zu wie in der Uni.

Wer noch Zweifel hatte, ob es tatsächlich inzwischen auch für Jungs besondere Förderung und Hilfestellung beim Einstieg in den Beruf und ins Leben braucht, der wurde in der dichten und informativen "Vorlesung" von Professor Klaus Hurrelmann von der Hertie School of Geovernance in Berlin schnell überzeugt.

Ganz plakativ hier nur die wichtigsten Thesen: Während von den 60er bis 80er Jahren die Anzahl an Mädchen, die aktiv an Bildung und Lebensplanung teilzuhatten vor allem im ländlichen Raum alarmierend gering war, so haben es die jungen Damen seit den 80er Jahren leise und unspektakulär geschafft, die Jungs deutlich zu überholen. Aktuell sind 55 % der Abiturienten weiblich, während die Jungs mehr als zwei Drittel der Klassen-Wiederholer stellen und sich in Haupt- und Förderschulen wiederfinden. Wer Haupt- oder Förderschule ohne Abschluss verlässt, ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit männlich.

Ob man nun Professor Hurrelmann folgt und die Ursache in einer biologischen Disposition sieht oder andere Erklärungsansätze sucht: der Trend, dass Mädchen die Jungs in Schule und Ausbildung abhängen, zeigt sich überall in Westeuropa und den USA.

Wichtige Gründe hierfür können der geringe Anteil an - auch körperlichen - Aktivitäten innerhalb der schulischen Ausbildung sein. Außerdem sind im Bildungsbereich - in dem junge Menschen vom Kindergarten an aus Vorbildern lernen können, kaum Männer aktiv. Der Frauenanteil in der Kindergartenerziehung liegt bei 95%, in der Grundschule bei 85% und selbst im Gymnasium inzwischen bei 55%. Erfolgreiche Berufstätigkeit vorgelebt, das sehen Jungs in ihrem ersten Lebensabschnitt nur selten.

So stellt Professor Hurrelmann die Forderung, an zwei wesentlichen Punkten anzusetzen: dem Training von Empathie und Selbstkritik und der Schaffung von transparenten sozialen Spielregeln im Bildungsbereich mit entsprechend klaren Sanktionen. Gleichzeitig plädiert er für eine Zurückdrängung des zu hohen Frauenanteils im pädagogischen Bereich, um männliche Rollenvorbilder zu schaffen.

Wie in der Uni zogen sich die Teilnehmer nach der Vorlesung in kleineren Gruppen zur Diskussion zurück. Die einzelnen Bereiche Arbeitswelt, Schule, Freizeit und Partnerschaft hatten jeweils einen Moderator, mehrere Jungs im halbwüchsigen Alter und einen sog. Impulsgeber aus der Praxis.
In der Gruppe "Arbeit" war unser ConAction-Mitarbeiter und Leiter von Praxisstationen an Schulen Impulsgeber und stellte seine Arbeit mit den Jugendlichen vor. Transparente Regeln und die Betonung des Arbeitens miteinander, das Helfen bei Problemen liegen der Arbeit dort zugrunde. Erst wenn alle fertig sind, ist Schluß. Es wird gemeinsam auf ein Ziel hingearbeitet, gemeinsam aufgeräumt. Soziale Integration und emotionale Kompetenz ergeben sich bei den Praxisstationen aus dem Konzept selbst.

Die Jugendlichen - die in der Arbeitsgruppe als "Jujoren" für die Vorschläge und Inputs der Erwachsen fungierten, konnten dies nur bestätigen. Neben mehr Betriebspraktika forderten sie mehr Praxisstationen. Interessanterweise wollten sie sowohl Praktika als auch Praxisstationen als Pflicht und nicht als freiwilliges Engagement ausgewiesen haben. "Man muß uns manchmal in den Hintern treten, das brauchen wir einfach" war die erstaunlich selbstkritische Wahrnehmung der jungen Männer.

Schließlich präsentierten die Jugendlichen ihre Ergebnisse im Plenum. Erstaunlich die hohe Übereinstimmung der Beobachtungen und Meinungen der jungen Leute mit den theoretischen Ansätzen aus der Vorlesung.
Wenn auch recht vorsichtig, von persönlicher Unsicherheit gekennzeichnet, konnten die heute vertretenen Kölner Jungs formulieren, dass sinnvolles "In-den-Hintern-Treten" - sprich die Umsetzung von wichtigen Orientierungsbausteinen mit dem entsprechenden Druck für ihre Entwicklung wichtig ist. "Wir wissen, was wichtig ist; man muß uns nur helfen, das auch zu tun."

Die Diskussion wird weitergehen. Das gesamte Plenung stimmte darin überein (spontaner Aplaus), dass Jungenförderung die Mädchenförderung nicht verdrängen darf, stehen doch den guten Schul- und Berufsbildungsabschlüssen bei den Mädchen und Frauen noch immer um 25% geringere Löhne für gleiche Arbeit gegenüber. Die Jungenförderung muß zusätzlich geschehen und einen ganz anderen Ansatz wählen.

"Gestandene" Handwerksmeister als Betreuer in den Praxisstationen (in der Mitte) mit Jugendlichen nach der Diskussion. Die beiden Praxisstationen-Betreuer von ConAction wünschen sich mehr Werkstätten in den verschiedenen Stadtbezirken, wo sie junge Menschen von verschiedenen Schulen betreuen können.

Die Schülerinnen und Schüler schätzen bei den Praxisstationen auch die Einsätze im "Ernstfall", wo sie in Sozialraum-Projekten den echten Arbeitsalltag bestehen müssen.

Beispiele für Sozialraum-Projekte
Gestaltung von Aufenthaltsräumen in Seniorenwohnheimen Bilderstöckchen und Raderthal
Gestaltung Jugendzentrum Take five
Gestaltung der Zoomauer

Bei diesen Projekten wird ConAction von der Innung Farbe (ifk) unterstützt.

 

 

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