Die hässliche Mauer, die den Zoo im Osten zur Riehler Straße hin begrenzt, sollte verschönert werden. Mit einem Wettbewerb "ARTgerecht - gesprühte Kunst für den Kölner Zoo" wurden aus über 60 Bewerbungen 12 Entwürfe für die Gestaltung der Mauer ausgewählt. In 12 Abschnitten sollten die einzelnen Bilder die mehrere Hundert Meter lange Mauer zieren. Ab 1. April werden die Künstler vor Ort sein und am 14. April soll die Mauer der Öffentlichkeit übergeben werden.

Doch bevor künstlerisch gesprayt und gestaltet werden kann, war einige Vorarbeit nötig. Die Mauer musste gereinigt, ausgebessert und grundiert werden. Für die Schülerinnen und Schüler der Praxisstation Objektbeschichtung an der Montessori-Hauptschule Ferdinandstraße war das eine Chance, den Ernstfall zu proben. Während sie in den Schulräumen Techniken lernen und Entwürfe anfertigen, stellte die Arbeit an der Zoo-Mauer sie vor die Herausforderungen des realistischen Alltags im Malerhandwerk. Unterstützt wurde ConAction bei diesem Projekt von der Innung Farbe Köln.

10. März 2011 - es ging los!

Zwar war es nicht wirklich kalt, aber es wehte ein unangenehmer Wind. Der Technikmeister des Zoos machte die Jugendlichen zunächst einmal innerhalb der Mauer mit den Hochdruckreinigern vertraut, mit denen die Mauer gereinigt werden sollte.

Wie man Schläuche ab- und anmontiert und welche Schutzkleidung erforderlich ist, wurde vor dem ersten Anschalten der Geräte besprochen. Nach erfolgreichem Testlauf ging es auf die Rückseite der Mauer.

Auf der Außenseite war es schon deutlich zugiger und vor allem lauter. Die Riehler Straße ist nachmittags stark befahren. Bald konnten die ersten Wand-Quadratmeter mit dem harten Wasserstrahl bearbeitet werden.

Die Malermeisterin, die für ConAction e.V. die Praxisstation leitet, führte den jungen Leuten zu Anfang die Hand, bis diese das richtige Gefühl für die Maschine entwickelt hatten.
Gleichzeitig wurde die Frage diskutiert, ob es nicht eine große Umweltbelastung darstelle, für die Reinigung der Mauer so viel Wasser zu verwenden. Doch im Gegensatz zu der Reinigung mit chemischen Mitteln erschien das Abwaschen "nur" mit Wasser deutlich ungefährlicher.

Kaum hatte die Gruppe sich richtig eingearbeitet - im Wechsel richtete einer die Düse auf die Wand, die weiteren assistierten mit Kabel und Schlauch - da ging plötzlich gar nichts mehr. Die Elektrik zeigte sich überfordert, so dass bei der Benutzung von zwei Reinigern gleichzeitig die Sicherung herausflog. Während der erzwungenen Pause wanderten böse Blicke zur Kabeltrommel. Man drückte die Daumen, dass die Probleme bis zum Großeinsatz am nächsten Montag behoben wären.

Das Problem mit der Sicherung war gelöst, es ging in zügigem Tempo mit der Reinigung der Mauer voran. Doch die Mauer ist wirlich lang. Es dauert schon eine ganze Weile, wenn man mit dem Fahrrad daran entlang fährt. Wie viel länger mochte sie den Jugendlichen erscheinen.

Der nächste Schritt nach der Reinigung der Mauer mit Hochdruckreinigern war die Grundierung. Auch das war eine Aufgabe, die viel Ausdauer und Durchhaltevermögen verlangte, konnte man doch die grundierten Flächen mit bloßem Auge kaum von den unbehandelten Abschnitten unterscheiden.

So hatten sich die Jugendlichen eine Mittagspause gründlich verdient. Doch schon bald ging es weiter. Schließlich soll die Mauer am Ende eine Art von Leinwand darstellen, auf der die Künstler ihre Kunstwerke aufsprayen können. Jedes tiefe Loch in den Fugen würde hier empfindlich stören. So wurde Fugenmörtel angerührt, mit dem die leeren Fugen ausgefüllt wurden.

Verfugen will gelernt sein. Die Jugendlichen stellten sich geschickt an, waren aber trotzdem froh, dass sie Unterstützung durch einen Profi erhielten (Bild in der Mitte).  Besonders anstrengend war natürlich das ständige Herauf- und Herunterklettern der Leiter.
 

Inzwischen wußten die Schülerinnen und Schüler wie lang die Zoowand war. Mehrmals täglich galt es Material herbeizuschleppen, die Schätzung über die Länge der Mauer lag zwischen 350 und 400 Metern. Die Malermeisterin begutachtet die ausgebesserten Fugen. Ganz zufrieden ist sie nicht mit den Vorarbeiten, aber die Menge der hellen Flecken auf der Wand zeigt an, wie viel an Ausbesserungsarbeiten nötig war. Ein spannender Moment: Der erste Farbeimer wird geöffnet. Pistaziengrün. Es folgte die Einführung über die Vorgehensweise beim Streichen.

Die Jugendlichen freuten sich: Es gab Verstärkung. Pierre Galic von debug visuals, ausgerüstet mit Leiter und Material schloß sich fröhlich der Gruppe an. Er kümmert sich nicht nur um die Organisation, sondern auch um die Dokumentation des Projekts (hier).

Während die große Fläche mit einer dicken Rolle abgerollt wird, müssen die Kanten am oberen und unteren Rand der Mauer mit kleinen Rollen oder Pinseln besonders sorgfältig gearbeitet werden.

Für die untere Kante mußte man sich auf die Knie begeben, für den oberen Rand war es nötig, die ganze Zeit auf der Leiter zu stehen.

Nach einer Weile hatten sich die Schülerinnen und Schüler in Teams zusammengefunden. Sie hatten gelernt, wie man die Farbeimer am besten plaziert, um zügig arbeiten zu können. Nach einer Stunde war bereits ein ganz schöner Erfolg zu sehen.

Wie die Heinzelmännchen bei der Arbeit, so sah die Schülergruppe aus einiger Entfernung aus. Auch wenn alle sehr fleißig waren, hatten sie in einer Stunde etwa 20 Meter geschafft. In den nächsten Tagen sollte sich zeigen, ob die Zeit für die Bearbeitung von fast 400 Metern reichen würde.

Die Arbeit der Kids an der Mauer hatte an die Heinzelmännchen erinnert, doch in der Nacht waren tatsächlich einige dieser berühmten Kölner Spezies vor Ort gewesen. Obwohl das Wetter an diesem Morgen grau, kalt, trübe und dunkel war, sorgte die Überraschung für gute Laune: Seit die Jugendlichen am Nachmittag die Arbeit eingestellt hatten, waren über Nacht einige Zig-Meter in aller Stille gestrichen worden.

Die Heinzelmännchen an der Zoo-Mauer hatten einen Namen: Die Mittwochs-Maler, die als Graffiti- und Jugendkunstprojekt die Gestaltung der Zoo-Mauer aktiv unterstützen. Oben ganz links im Bild "Chef"-Heinzelmännchen Alex.
Die großen Flächen ließen sich mit der dicken Rolle zügig bearbeiten; viel länger hielt es auf, die einzelnen Fugen mit dem Pinsel nachzuarbeiten.

Auch kleine Katastrophen passierten während dem Arbeiten: Zwei der Mädchen waren ganz betroffen darüber, dass sie aus Versehen zusammen mit der Wand zwei Kellerasseln angestrichen hatten. Kellerasseln sind kleine Krebstiere, die sich von abgestorbenen organischen Materialien ernähren und besonders in Komposthaufen sehr nützlich sind. Beide "Pechvögel" wurden vorsichtig mit Mineralwasser gewaschen. Im mittleren Bild kann der kleine Krebs zwar schon wieder laufen, aber man sieht die hellen Farbreste noch. Hoffentlich haben sie überlebt.

Auch wenn man am Nachmittag bereits das Ende der Mauer sehen konnte, so war klar, dass noch viel Arbeit auf die Jugendlichen wartete.

Bei trübem Wetter vor einer Mauer zu stehen, diese hell zu streichen und absolut kein Ende erkennen zu können, war für die Jugendlichen eine große körperliche und psychische Herausforderung.
Glücklicherweise hatte Petrus ein Einsehen und ließ eine strahlende Sonne frei: Auch wenn am frühen Morgen bei Arbeitsbeginn noch Minusgrade herrschten, war es in der Mittagszeit angenehm warm vor der Mauer. Die Sonne warf ansprechende Scherenschnittschatten der arbeitenden Kids auf den hellen Hintergrund: Generalprobe für die Künstler, die ab 1.4. kommen sollen.

Das große Einfahrtstor lag bereits hinter den Schülerinnen und Schülern, sie hatten sich bis zum Affenhaus vorgearbeitet. Doch leider zeigte der Blick nach rechts immer noch eine ganz schön lange unbearbeitete Fläche.
Doch das Dream-Team von der Zoo-Mauer wird es schaffen, die Jugendlichen trotz widriger Umstände bei Laune zu halten, bis auch der letzte Quadratmeter in freundlichem Pastell-Pastazie erstrahlt.

...und jetzt fehlen noch die Zebrastreifen!

Es ist vollbracht, die Mauer ist komplett pistaziengrün und leuchtet in der Sonne. Die Schülerinnen und Schüler aus der Ferdinandstraße können stolz auf ihre Leistung sein.

Aber, es bleibt noch etwa zu tun: Für die Spray-Kunstwerke soll die Mauer in Abschnitte unterteilt werden und zwar mit Zebrastreifen.

Bei der Erstellung der Streifen ist höchste Präzision gefordert: Die Jugendlichen von den Mittwochsmalern können die Strukturen vorgeben, doch um die Kanten der Streifen exakt zu glätten, braucht es die Experten vom Dream-Team.

Posieren vor der Zoo-Mauer: Von links nach rechts die Inspektion durch den technischen Leiter des Zoos Herrn Wolfgang Brass und das Dream-Team vor den Zebrastreifen im Quer- und Hochformat.

Wen werden wohl die Arbeiten der Künstler an der Mauer mehr interessieren als diejenigen, die den Untergrund vorbereitet haben und damit die künstlerischen Arbeiten erst möglich gemacht haben? Die Jugendlichen aus der Montessori-Hauptschule Ferdinandstraße können nicht jeden Tag über den Rhein fahren und die Fortschritte bewundern. Daher besonders für sie ein paar Eindrücke von Dienstag, dem 5. April 2011.

Die Graffiti-Künstler bei der Arbeit

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